Wie kommt die Geschichte in den Kopf?

Der Autor Andreas Kirchgäßner stellt sein Erstlesebuch "Fußball-Freunde" vor. Für 6-9jährige. Geeignet für Schulen, Büchereien, Buchhandlungen, Kinderveranstaltungen.

Dauer: ca. 60 Minuten.
Technische Voraussetzung: Leinwand, gewisse Verdunklungsmöglichkeiten.
Max. Zuschauerzahl: 60 - 80 Kinder.
Honorar: Verhandlungssache, ca. 220.- Euro



Ablauf:
Der Autor begrüßt die Kinder und fragt, ob sie wissen, was er von Beruf ist. Die Kinder wissen es. Aber der Autor bohrt weiter: Was macht ein Autor? Geschichten erfinden! Wie aber kommen die Geschichten in den Kopf?
Der Autor öffnet seine große Aktentasche. Holt eine Recycling-Sandale aus Afrika heraus:
Was ist das?
„Ein Jesuslatschen!“, „Eine Sandale!“, „Ein Badeschlappen!“
Der Autor ist unzufrieden mit den Vorschlägen: „Das hier ist ein Autoreifen!“
Riesengelächter. Aber der Autor beharrt auf seiner Behauptung. Dann beginnt er zu erzählen:

Die alten runter gefahrenen Reifen der Eltern werden von den Autos abmontiert. Wo kommen sie hin?
Zum Recycling. Zum Reifenhändler!
Was macht der Reifenhändler damit?

Manchmal bringt er sie auf ein großes Schiff, das von Hamburg abfährt, über die Nordsee, durch den Kanal (zwischen Frankreich und England) in den Atlantischen Ozean, um Spanien und Portugal herum, um ganz Westafrika herum, bis er am Golf von Guinea ankommt, in der Hafenstadt Accra im  westafrikanischen Land Ghana. Dort werden die Reifen abgeladen. Was macht man damit?

Schuhe!
Nein! Man montiert die Reifen wieder an Autos. An Taxis. Wer ist schon einmal mit einem afrikanischen Taxi gefahren?
War es bequem in dem Taxi? Dann war es kein afrikanisches Taxi!

Autor: Ich erzähle Euch jetzt, wie ich in einem afrikanischen Taxi gefahren bin. Auf einem großen Taxibahnhof ging ich zu einem Fahrer und fragte, ob er nach Accra fährt. Er sagte: „Steig ein!“ Ich fragte, ob’s teuer wird.
Er sagte „ja!“. Wie teuer? Sehr teuer! Dann kann ich’s nicht bezahlen!
Ich ging also weiter, um ein billigeres Taxi zu suchen. Da kam der Taxifahrer hinter mir her und sagte mir einen annehmbaren Preis. Steig ein, sagte er. Ich stieg hinten in das Taxi. Jetzt erst sah ich, daß es keine Innenverkleidung mehr hatte. Kein Tacho, keinen Kilometerzähler. Egal dachte ich und fragte den Taxifahrer: „Können wir fahren?“ Wait! sagte er. Das ist Englisch und heißt „Warte!“

Ich wartete. Endlich kam die Frau, auf die er scheinbar wartete. Sie hatte viele Säcke und Kisten dabei. Die lud der Fahrer in den Kofferraum. Dann stieg die Frau neben mir ein. Sie war ziemlich dick und der Wagen ging auf einer Seite in die Knie. Können wir fahren? Wait!
Endlich kam eine andere Frau, genauso dick, genauso viel Gepäck, sogar ein lebendiges Huhn. Der Fahrer türmte das Gepäck aufs Dach. Die Frau setzte sich auf der anderen Seite neben mich. Der Wagen kam zwar wieder ins Gleichgewicht, aber es wurde ziemlich eng. Ein kleiner Mann brachte einen Haufen Taschen. Auch die kamen aufs Dach und der Mann stieg ein. Der Wagen neigte sich nur wenig, denn der Mann war Haut und Knochen. Mein einer Arm schlief ein. Können wir fahren? Wait!
Vorne stieg ein dicker Militär ein. Er hatte eine Ziege mitgebracht. Und Koffer und Kisten und einen Teppich. Alles kam aufs Dach. Können wir fahren? Wait!
Zwei Zwillinge, mitteldick, stiegen neben den Militär und der Fahrer mußte ganz an die Seite rücken. Einer der beiden sollte das Schalten übernehmen. Der Fahrer wollte lenken und Kupplung, Gas und Bremse bedienen. Erstmal zurrte er das Gepäck auf dem Dach zurecht. Obendrauf die Ziege. Mein anderer Arm schlief auch ein. Können wir fahren? Wait!
Eine 2 Meter große Frau, sehr dünn, stand draußen. Sie hatte nur ein paar Hühner bei sich. Der Fahrer schob sie über unseren Schoß auf die Rückbank. Meine Beine kriegten kein Blut mehr. Können wir fahren? Wait!

Was sind die beiden wichtigsten Dinge in einem afrikanischen Taxi?
Richtig! Die Hupe und ... der Kassettenrekorder. Der wurde aufgedreht. Dadididi dadududu. Trööttrööt. Dann ging‘s in rasanter fahrt los. Immer Vollgas. Dadididi dadududu. Trööttrööt. Alle Fahrgäste flogen durcheinander, bis sie einen gemütlichen Platz gefunden hatten. Dadididi dadududu. Trööttrööt.




Doch plötzlich: Pfffffffff, ging der Wagen in die Knie: Platten!
Alle aussteigen. Säcke, Kisten, Hühner, Teppiche aus dem Kofferraum ausladen. Darunter kommt der Reservereifen zum Vorschein. Auch ein Altreifen aus Deutschland. Alle anpacken und den Wagen anheben: Der Fahrer montiert den alten Reifen ab und den Reserve-Altreifen wieder drauf. Säcke, Kisten, Hühner, Teppiche wieder einpacken. Alle wieder einsteigen. Kassettenrekorder an: Dadididi dadududu. Trööttrööt. Es geht weiter. Fahrgäste fliegen durcheinander.

Dann hielten wir. Warum?
Kein Platten, sondern ein Mann mit einem kleinen Brenner repariert alte Reifen. Den alten Reifen von uns konnte er aber nicht mehr reparieren: Zu dünn, zu runtergefahren. Was machte der Fahrer mit dem Reifen?
Wegwerfen? Nein!
Er verkaufte ihn an einen Schuhmacher. Ich sah, wie der Schuhmacher aus den dicken Teilen des Reifens die Sohle schnitt, aus den dünnen die Riemen. Er fragte mich, woher ich komme: Deutschland. Germany! rief er begeistert. Da lebte sein Sohn. Ein Fußballspieler. Ein sehr guter mit richtigen Fußballschuhen!
Wie er heißt?
Abukari!
Ich beschloß, mich nach einem Fußballspieler namens Abukari in Deutschland umzusehen. Und ich fand ihn. Und fand dazu noch zwei Jungs: Benny und Armin. Eine neue Geschichte. Soll ich sie erzählen.
Daraufhin wird der Raum verdunkelt und Bilder und Texte des Buches „Fußball-Freunde“ auf die Leinwand projiziert. Die Kinder lesen selbst, oder mit Hilfe des Autors die kurzen Texte zu den Bildern. Dauer: ca. 20 Minuten.




Anfragen wegen Lesungen bitte an meine eMail-Adresse: Kirchi1@t-online.de

(V.i.S.d.P.): Andreas Kirchgäßner, Am Brückle 13, 79291 Merdingen E-Mail: Kirchi1@t-online.de


Herzlichen Dank an